PEK - Fallbeispiel Peking

Flughafen im Zeichen des roten Drachens

Der Beijing Capital International Airport (BCIA), am Ende des letzten Jahrtausends noch rückständig und weltweit von geringer Bedeutung, wird zusehends zum Aushängeschild des Reichs der Mitte und drängt unermüdlich und unaufhaltsam an die Spitze der größten internationalen Flughäfen. Der Flughafen profitiert dabei von seiner vorteilhaften Lage im direkten Einzugsgebiet der rund 15 Mill. Einwohner Beijings und der Zentralität im kulturellen und politischen Machtzentrum Chinas mit rund 1,4 Mrd. Menschen. Von hier aus lassen sich vor allem Ziele an der Westküste Nordamerikas in kürzerer Zeit als von Konkurrenzflughäfen zahlreicher weiterer Metropolen Zentral- und Südasiens erreichen.

Der Flughafen fungiert somit als Ausgangs- und Zielpunkt zahlreicher nationaler Verbindungen, als Zugangstor zum Reich der Mitte für das internationale Publikum sowie als potentielles Drehkreuz zwischen Süd- bzw. Zentralasien und Nordamerika für den Transferverkehr.

Um den internationalen Ansprüchen und dem jahrelang anhaltendem zweistelligen Wachstum gerecht zu werden, wurde der Flughafen innerhalb der letzten zehn Jahre komplett strukturell umorganisiert, alle Einrichtungen modernisiert und das Angebot umfangreich erweitert. Aufgrund zunehmender Deregulierungen im Luftverkehr wurden zahlreiche Funktionen und Aufgaben an private Unternehmen abgegeben. Diese Maßnahme soll zu effizienteren Strukturen sowie zu einer Konzentration auf die Hauptaufgabe führen.

Das ursprünglich einzige und mit 60.000 m² verhältnismäßig kleine Terminal 1 wurde nach Inbetriebnahme des fünfmal größeren Terminals 2 im Jahr 1999 geschlossen und grundsaniert. Bereits nicht einmal zehn Jahre nach dessen Eröffnung wurde auch das Terminal 2 als Hauptterminal vom 2008 eingeweihten dritten Terminal abgelöst. Das Terminal 3 wurde mit 500 Mill. Euro zu einem großen Teil von der Europäischen Invest-mentbank finanziert und er ist mit einer Fläche von mehr als 980.000 m² größer als alle fünf Terminals des Londoner Flughafens Heathrow zusammen. Flächenmäßig stellt das 170- Fußballfelder-große Terminal das zweitgrößte bisher errichtete Flughafenterminal, nach dem 2008 in Dubai eröffneten Terminal, dar. Die in rot gehaltenen Säulen sowie das mattgoldene Dach sollen an die kaiserlichen Paläste und Tempel in Peking erinnern. Der Konstruktion aus Licht, Stahl und Glas wurden gleich zwei chinesische Symbole zu Grunde gelegte. „Ren“, welches sowohl Mensch als auch Drache bedeutet, steht für ein positives Symbol Chinas. Die guten Geister des Landes empfangen somit die Besucher Pekings. Der Flughafen spiegelt somit die Moderne und Offenheit des Landes wider. Mit der bereits Ende 2007 fertiggestellten dritten Start- und Landebahn stehen damit dem größten Flughafen Chinas jährlich Kapazitäten für rund 78 Mill. Passagiere sowie 600.000 Flugzeugbewegungen zur Verfügung. Eine weitere, vierte Bahn ist momentan noch in Planung.

Gegenwärtig muss der Flughafen jedoch gegen einige Probleme ankämpfen. Streckenkür-zungen vorhandener Flugverbindungen aufgrund von anhaltenden Flugverspätungen sowie hohe Kerosinkosten und ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum führten 2008 zu einer Verlangsamung des Passagierwachstums. Es wird sogar davon ausgegangen, dass der Flughafen ohne eine Umorientierung des Flughafenmanagements die gegenwärtige Maximalkapazität nie erreichen wird. Aus diesem Grund wird zunehmend versucht, den Flughafen vom Model eines traditionellen Flughafens in ein internationales Drehkreuz – vergleichbar mit den Flughäfen Hongkong oder Singapur – umzubauen. Unterstützung erhält das Vorhaben dabei von der General Administration of Civil Aviation of China (CAAC), die sowohl eine neue Vergabe von Rechten der 5. Freiheit (= das Recht, Personen, Fracht und Post zwischen einem fremden Hoheitsgebiet und einem dritten Staat zu befördern) prüft und die Start- und Landegebühren 2008 zur Erhöhung der Attraktivität des Flughafens drastisch reduziert hat.

Noch vor wenigen Jahren war der Flughafen weitestgehend von den Einnahmen im Aviation-Bereich abhängig. Mit der Planung und Inbetriebnahme des neuen Terminals 3 wurden jedoch erheblich mehr Flächen zur Verfügung gestellt, die an Drittunternehmen kon-zessioniert und vermietet werden konnten. Dadurch wurde der Anteil der Einnahmen im Non-Aviation-Bereich um 15 % gesteigert. Ziel ist es langfristig, rund 60 % der Einnahmen aus diesem Bereich zu erzielen. Aus diesem Grund wurde mit der Beijing Capital Airport Commercial and Trading Company Ltd. (ACT) 2005 ein Tochterunternehmen ins Leben gerufen, welche für alle kommerziellen Aufgaben am Hauptstadtflughafen sowie bereits für neun weitere Flughäfen des Landes verantwortlich ist. Anders als an vielen Großflughäfen erwartet man in Beijing nicht nur einen regen Absatz von Luxus- und Markenartikeln im internationalen zollfreien Bereich, sondern einen ebenso erfolgreichen Umsatz mit verzollten Gütern durch Passagiere auf nationalen Reisen. Diese Erscheinung hat in der kulturellen Entwicklung Chinas ihre Wurzel, reist man doch im Reich der Mitte niemals ohne ein entsprechendes und zumeist hochwertiges Präsent, sei es auf Privat- oder auf Geschäftsreise. Bereits im Eröffnungsjahr des neuen Terminals konnten die Konzessionseinnahmen um mehr als 65 % gesteigert werden.

In Zukunft sollen vor allem der bereits großzügige Messe- und Kongresskomplex sowie die Industriezonen, Unternehmen an den Flughafen binden. Zudem wird eine Optimierung der Luftfracht angestrebt. Hierfür wurden die Kapazitäten in den letzten Jahren nahezu verdoppelt. Darüber hinaus gibt es Pläne für die Errichtung neuer, luxuriöser Wohngebiete von internationalem Standard in einem Umkreis von ca. 10 km um den Flughafenkern. Langfristig verfolgt man dadurch das Ziel, den Beijing Capital International Airport zu einer vollständigen Flughafenstadt, der Beijing Airport City, auszubauen.