Flughäfen können Geschäfte und weitere Retail-Einheiten auf verschiedene Weise betreiben. Oft ist eine Kombination mehrerer Betreiberformen innerhalb des Flughafens sinnvoll. An europäischen Flughäfen sind vor allem die vier Formen Konzessionsvergabe, Managementvertrag, Joint Venture sowie Eigenbetrieb/Betrieb durch eine hundertprozentige Tochtergesellschaft verbreitet.

  • Konzessionsvergabe
    Konzessionsvergaben stellen die gebräuchlichste Form des Betriebs einer Retail-Einheit in einem Flughafen dar. Eine Konzession entspricht einer Genehmigung, die die Flughafenbetreibergesellschaft einem Retailer (Konzessionsnehmer) für eine bestimmte Dauer erteilt und die den Retailer zur kommerziellen Nutzung einer bestimmten Fläche berechtigt. Die Flughafenbetreibergesellschaft übernimmt bei dieser Form des Betriebs die Rolle eines Vermieters. Sie ist für die Bereitstellung der Fläche und einer gewissen Grundversorgung (Strom, Wasser, etc.) verantwortlich. Der Retailer übernimmt die Verantwortung für die Ausstattung der Fläche sowie für den durchgängigen Betrieb. Für das Nutzungsrecht der Fläche entrichtet der Retailer eine Gebühr an die Flughafenbetreibergesellschaft. Die Gebühr setzt sich in den meisten Fällen aus einer Mindestabgabe und einer prozentualen Beteiligung an den Umsätzen der Retail-Einheit zusammen.
  • Managementvertrag
    Ein Managementvertrag entspricht einer Vereinbarung zwischen der Flughafenbetreibergesellschaft und einem Unternehmen, bei der die Flughafenbetreibergesellschaft (Managementnehmer) den Betrieb einer oder mehrerer Retail-Einheiten für eine begrenzte Zeit und gegen eine Gebühr dem Unternehmen (Managementgeber) überträgt. Der Managementnehmer übernimmt bei dieser Form des Betriebs die Verantwortung für die Bereitstellung, Ausstattung und Instandhaltung der Flächen sowie für die hierfür erforderlichen Investitionen. Der Managementgeber ist für den laufenden Betrieb der Retail-Einheiten verantwortlich. Für diese Leistung verlangt der Managementgeber eine Vergütung, die Managementgebühr. Die Managementgebühr setzt sich üblicherweise aus einer Grundgebühr und einer Vergütung für besondere Leistungen (Incentive-Fee) zusammen. Die Grundgebühr kann entweder als Festsumme vereinbart werden, oder sie wird an bestimmte Erfolgszahlen zumeist Umsätze gekoppelt. Die Incentive-Fee wird in der Regel als ein bestimmter Teil des erwirtschafteten Bruttobetriebsergebnisses der geführten Einheit entrichtet.
  • Joint Venture
    Ein Joint Venture entspricht einer vertraglichen Vereinbarung zweier oder mehrerer rechtlich und wirtschaftlich selbstständiger Unternehmen (Joint Venture-Partner), die für eine bestimmte Dauer gemeinschaftlich zusammenwirken, um ein unternehmerisches Ziel zu erreichen. Die Joint Venture-Partner bilden zu diesem Zweck ein drittes, rechtlich selbständiges Unternehmen, die Joint Venture-Gesellschaft. Die Bildung der Joint Venture-Gesellschaft basiert auf Eigenkapitalbeteiligungen aller Partner.  In einem Joint Venture-Vertrag werden die Ziele der Zusammenarbeit sowie die strategischen Maßnahmen zu derer Umsetzung und die Dauer der Kooperation geregelt. Des Weiteren werden im Joint Venture-Vertrag die Leistungen der Partner, die Gewinn- und Verlustaufteilung sowie Kontrollmechanismen bestimmt.
  • Eigenbetrieb/Betrieb durch eine hundertprozentige Tochtergesellschaft
    Ergänzend zu den bisher beschrieben Formen bietet sich einer Flughafenbetreibergesellschaft die Möglichkeit, ihre Retail-Einheiten eigenverantwortlich zu betreiben. Auf diese Weise kann sie die Konzepte, die entsprechende Gestaltung und Ausstattung der Flächen, das Angebot und die Preisgestaltung, die Personalauswahl sowie weitere Faktoren unmittelbar bestimmen. Darüber hinaus ist die Flughafenbetreibergesellschaft verantwortlich für den Wareneinkauf, die Lagerhaltung sowie in der Gastronomie für die Produktion der angebotenen Speisen. Der Betrieb von Retail-Einheiten durch eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Flughafenbetreibergesellschaft stellt eine alternative Form des Betriebs dar, bei der die Flughafenbetreibergesellschaft die gleiche Möglichkeit der Einflussnahme auf genannte Faktoren besitzt. Eine Tochtergesellschaft wird dann gegründet, wenn die Flughafenbetreibergesellschaft eine abweichende Unternehmensidentität bilden will, um dadurch erfahrenes Personal und Führungskräfte aus dem Einzelhandel oder der Gastronomie zu gewinnen.

 

Autor: R. Blaurock