Flughafen Berlin-Tempelhof
Eine Flughafenära geht zu EndeAm 30. Oktober 2008 winkten die zwei letzten Flugzeuge, die Junkers „Tante Ju“ 52 der Deutschen Lufthansa und ein „Rosinenbomber“ DC3, zum Abschied noch einmal mit ihren Flügeln. Dann wurde der Flugbetrieb des Nostalgie-Flughafens nach 75 Jahren eingestellt. Doch aufgrund seiner Geschichte wird die „Mutter aller Flughäfen“ in den Köpfen der Berliner bestehen bleiben.
Der am 8. Oktober 1923 eröffnete Zentralflughafen „Tempelhofer Feld“ war Heimatflughafen der drei Jahre später gegründeten Deutschen Luft Hansa AG. Von hier aus startete sie ihre ersten Linienflüge und von hier aus wurden Meilensteine für die deutsche Luftfahrt gesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Lufthansa einem Anflugverbot für Berlin ausgesetzt war und durch die Alliierten aufgelöst wurde, nutzte die U.S. Army Berlin-Tempelhof als Air Force Station. Aufgrund einer Verkehrsblockade des westlichen Berlinsektors durch die sowjetischen Besatzungsmächte wurde der Flughafen zwischen Juni 1948 und Mai 1949 Zentrum der Luftbrückenversorgung für zwei Millionen Westberliner. Die weltweit als „Rosinenbomber“ bekannten Flugzeuge der U.S. Air Force und Royal Air Force versorgten die Menschen mit Lebensmitteln, Brennstoffen, Fahrzeugen und Maschinen. Zwischen 1951 und 1975 war der Verkehrsflughafen weiterhin Anlaufpunkt und Durchgangsstation für Spione und Flüchtlinge aus der Deutschen Demokratischen Republik und bekam symbolisch den Namen „Tor zur freien Welt“. Mit der Ernennung des Flughafens Berlin-Tegel zum zivilen Verkehrsflughafen im Jahr 1960 kam es zur schrittweisen Verlagerung des Zivilflugverkehrs. Berlin-Tempelhof, der mit zwei Start- und Landebahnen und einer Terminalkapazität für die Abfertigung von 1,5 Mill. Passagieren ausgestattet war, wurde als Ausweich- und Trainingsflughafen aber auch für Geschäfts- und Privatflugzeuge weiterhin genutzt.
Mit dem Konsensbeschluss im Jahr 1996 einigten sich die Beteiligten auf den Bau des neuen Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) und beschlossen folglich die Flughäfen Tempelhof und Tegel zu schließen. Seit Anfang der 1990er Jahre und insbesondere seit dem Beschluss gab es zahlreiche Diskussionen und Protestwellen, welche sowohl für als auch gegen den Flughafen gerichtet waren. Bereits 1995 bildete sich die Interessensgemeinschaft City Airport Tempelhof (ICAT), um zusammen mit einem breiten Bündnis aus Wirtschaft und Politik für den Erhalt des Flughafens zu stimmen. Hierzu zählten unter anderem die Industrie- und Handelskammer Berlin, die Berlin Tourismus Marketing GmbH, die Bundesregierung um die Christlich Demokratische Union, die Freie Demokratische Partei und viele Unternehmer, Künstler und Sportler. Im Oktober 2007 wurde von der ICAT ein Volksbegehren eingeleitet. Da dieses erfolgreich war, kam es am 27. April 2008, erstmals in Berlin überhaupt, zu einem Volksentscheid. Mit 530.000 abgegebenen Stimmen scheiterte der Entscheid jedoch an der erforderlichen Stimmzahl von 600.000. Die Befürworter zur Schließung des Flughafens, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die Linken und Grünen sowie Umweltorganisationen und die Berliner Flughafengesellschaft selbst, gingen als Gewinner dieser Diskussion hervor.
In den letzten fünf Jahren sank das Passagieraufkommen in Berlin-Tempelhof um 22 % auf 350.172 Passagiere (2007). Obwohl der Flughafen, dessen Gebäude zu Zeiten seiner Errichtung zu einem der größten der Welt zählte, sich im südlichen Innenstadtbereich mit direkter U-Bahnanbindung und zwölf Minuten Fahrzeit in die Stadtmitte Berlins befindet, wurde er den Anforderungen eines modernen Verkehrsflughafens nicht mehr gerecht. Zudem operierte er seit Jahren mit einem Defizit von zehn Mill. Euro.
Bezüglich der zukünftigen Nutzung des Areals gibt es mehrere Alternativen. Unter anderem schlugen im Jahr 2006 amerikanische Investoren zusammen mit der Deutschen Bahn AG ein Konzept vor, welches ein internationales Tagungs- und Gesundheitszentrum mit angeschlossenem Flughafen für Geschäfts- und Privatflieger beinhaltete. Dagegen sieht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vor, eine Parklandschaft (Wiesenmeer) als neuen Erholungsraum Berlins mit Wohn- und Gewerbebauten zu erstellen. Eine endgültige Entscheidung wurde bisher noch nicht getroffen.
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